Hallihallo ihr Lieben,
gestern habe ich auf dem Weihnachtsmarkt geholfen für unsere Stufenkasse. Wir haben Glühwein, Kurze und so weiter verkauft und am Anfang war es wirklich ganz gut. Ich hab getanzt, gelacht und konnte vergessen. Dann hab ich nur gehört, wie eine Freundin zu mir kam und meinte "Dein [Ex]Freund ist so besoffen und ich hab keine Ahnung wo er ist."
Da war ich wieder. Zurück in der Realität. Sorge, weil mein "betrunkener Freund" alleine durch die Stadt läuft, niemand ihn gesehen hat und er nicht ans Handy geht. Angst, weil er vllt nicht ans Handy geht, weil er meine Nummer sieht. Verzweiflung, weil ich ihn sehen will, für ihn da sein möchte und es doch nicht kann. Trauer, weil alles kaputt ist.
Also bin ich zweimal losgezogen, um ihn zu finden. Beide Male erfolglos. Das dritte Mal stand er dann mit Freunden lachend vor unserem Zelt. Sollte ich nicht glücklich sein, dass es ihm gut geht, er sich amüsiert und nicht wie erwartet mit 'ner Flasche Wodka in der Ecke liegt? Ich war nicht glücklich. Es tat weh. Sein Lachen tat weh. Sein "Es geht mir gut" tat weh.
Nächste Geschichte, die euch einen weiteren Grund gibt mich als "kaputtes Wrack" zu bezeichnen.
Da stand ich nun hinter der Theke, vor mir ein Junge (S.), vor dem mich alle gewarnt haben. Er betrunken, provokant aber um meine Aufmerksamkeit bemüht. Um ihm zu sagen, dass ich nichts von ihm will, bin ich raus zu ihm. Er tat mir leid, weil er betrunken war und ich bin sehr leicht zu beeindrucken. 1000 Komplimente - ich fühle mich geschmeichelt. Er nimmt meine Hand - ich will das nicht, aber hey, er hält nur meine Hand was soll's. Er will mir Geld geben, damit ich meinen "Job" hinter der Theke aufgebe und mit ihm mitgehe. Ich will nur weg. Ich schau mich um, es ist dunkel, wir sind alleine. Er fängt an mich zu begrabschen - ich will schreien, aber es kommt kein Ton raus. Ich sage ihm, dass ich das nicht möchte - er macht weiter. ich sage ihm, dass ich weiter arbeiten muss - es interessiert ihm nicht. Ich sage ihm, dass ich es nicht will - er lacht. Er macht weiter. Er hört nicht auf. Ich sage nichts mehr. Ich merke, wie sich meine Augen mit Tränen füllen, während ich mich versuche zu wehren und er mich festhält. Ich laufe weg.
Ich tu, als wäre nichts gewesen. Ich bin zu feige es jemanden zu erzählen. Er kommt wieder und bestellt Alkohol. Er fragt, wann ich Schluss habe. Ich antworte nicht. Ich habe Angst. Er kommt wieder und bestellt Alkohol. Er fragt, wann ich Schluss habe. Ich antworte nicht. Ich habe Angst. Er wartet. Ich spüre seine Augen auf mir. Die Zeit vergeht zu langsam und doch zu schnell. Die Kunden gehen. Unser Zelt leert sich. Ich hab Angst, weil ich weiß, dass ich gleich Schluss habe. Ich habe Angst, weil ich weiß, dass er wartet, dass er mir folgen wird und dass ich alleine sein werde. In Gedanken gehe ich alles durch. Es wird niemanden interessieren. Ich bin alleine. Niemand passt mehr auf mich auf.
Ein Mitschüler (F.) merkt, dass was nicht stimmt. Er nimmt mich in den Arm. Ich weine. Ich erzähle ihm von der Trennung. Er redet mir gut zu. Von meiner Angst, die noch betrunken auf mich wartet. erzähle ich nicht. Der Junge (S) sieht, dass ich weine. Es interessiert ihm nicht. Er versucht mich wegzuziehen. F stellt sich vor mich. S. wird handgreiflich und beleidigt F. Ich will weg. Ich bin es nicht wert, dass F auf mich aufpasst, er ist nicht der Richtige und doch bin ich froh, dass er mich vor S. beschützt.
Die Situation droht zu eskalieren. Ich flüchte. Ich habe Angst, weil S. weiß, wo ich wohne. ich habe Angst, dass er mir folgt. Ein zweiter Mitschüler, der F. geholfen hat mich vor S. zu schützen bringt mich nach Hause.
Ich liege im Bett, mir kommen dir Tränen. Nach nur einer Woche sehe ich schon, dass ich alleine nicht klarkomme. Mein (Ex)Freund hätte auf mich aufpassen müssen. Ich hab mich auf ihn verlassen aber er ist nicht mehr für mich da. Ich bin alleine.
Ja ich weiß, viele von euch haben wirkliche Missbrauchserfahrungen erlitten. Bei mir ist kaum etwas passiert. Was stell ich mich so an? Ich bin selbst Schuld.
Aber ich hatte Angst.
Liebe Grüße,
Farfallina
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen